Diesen Sommer brach ich mit meiner Freundin zu einer Radtour entlang der französischen Atlantikküste im Westen auf. Von Nantes bis Bordeaux ging die Reise, die uns einerseits durch einsame Landstriche führte, die scheinbar nur für Austernzuchten und Windkraftanlagen zu existieren schienen. Andererseits kamen wir durch belebte Surfer- und Touristengegenden – stets auf der Suche nach einem gemütlichen Plätzchen zum Campen und einer Packung Kaffee als Mitbringsel.

Camping-Tour mit dem Rad.

Braun wie eine Espressobohne kamen wir am Ziel an.

Wunschvorstellungen

  1. Im Gepäck: Gaskocher + Porcellan Kaffeefilter + Kaffee
  2. Im Gedächtnis: Wo ist das nächstgelegene Café?
  3. Auf dem Wunschzettel: Französische Kaffeerösterei finden

Die Punkte 2 und 3 musste ich schon recht bald abhaken. Auf unserer fast 600 Kilometer langen Radreise kamen wir zwar durch zahlreiche Dörfer, doch deren Bewohner waren sehr selten sichtbar. Und wer nun annimmt, dass jedes Städtchen an der französischen Westküste süß, goldig und mit einem flairüberladenen Café am malerischen Boulevard ausgestattet ist, dem sei gesagt: Nimm‘ vorsichtshalber eigenes Material mit!

Eine Kaffeerösterei habe ich erst am Ziel in Bordeaux gesehen – und die war geschlossen. Für immer.

Kaffeerösterei in Bordeaux: Beinahe eine Fehlanzeige!

Torréfacteur in Bordeaux: Leider für immer geschlossen...

Rustikal aber trotzdem mit Stil

Aus obigen Gründen bleibt mir also nichts Anderes übrig, als über die Gegebenheiten beim Camping zu berichten, wie man trotz widrigster Umstände einen ordentlichen Kaffee zubereiten kann und welche Utensilien sich als nützlich erwiesen haben.

Zu den von mir vorgestellten Kaffee-Gerätschaften sei gesagt, dass ich sie viele Hundert Kilometer durch Wind & Wetter, Hitze und steten Gegenwind gefahren habe. Hätte ich einen Artikel als unnütz eingestuft, wäre er an der nächsten Ecke in die Tonne geflogen!

1Basis des Ganzen ist natürlich der Kaffee! Je nach Gusto kann man mitnehmen, was man mag. Ich habe mich für einen recht dunklen, kräftigen und naürlich gemahlenen Kaffee entschieden. Da ich ja beim Campen mit möglichst leichtem Gepäck unterwegs war, kam eine Handmühle selbstredend nicht in Frage.
1 Bestenfalls hätte ich die Hario Mini Mill mitnehmen können, die ich zu dem Zeitpunkt nicht besaß. 

2Desweiteren handelsübliche Filtertüten. Ich hatte noch etwas zu große rumliegen und da ich eh selten Filterkaffee trinke, taten die es auch. Beim nächsten Trip wird aber der wiederverwendbare Stofffilter mitgenommen. Reduziert den Abfall und spart Gepäck!

3 Camping-Kocher mit 1 Gaskartusche. Aus einer Kartusche kann man je nach Windverhältnissen am Campingplatz gut 20 Kaffees machen.

Camping & Kaffee: Fahrradreise in Frankreich

Nicht immer ganz einfach, aber vor einer langen Tagestour das beste der Welt...

Der Kaffeefilter beim Camping

Ich habe mich für einen Melitta Porzellan Kaffeefilter entschieden. Hintergrund ist, dass ich die ganzen Plastikprodukte nicht ausstehen kann und mir dieses billige Kunststoffzeug in Verbindung mit hohen Temperaturen im Sommer und heißem Wasser nicht suspekt ist (Stichwort Weichmacher).

Also ab zum Porzellan Kaffeefilter! Beim gewichtsorientierten Radfahren jetzt nicht der wahre August, da schwer, aber die Qualität kann sich sehen lassen. Der Kaffee läuft klasse durch, geschmackliche Missgeschicke, die beim Einsatz von Kunststoff ja durchaus mal auftreten können, habe ich nicht feststellen können.

Anfangs hatte ich zwar Buchschmerzen das gute Porzellan zum Rad-Camping mitzunehmen, nur um hier und da am Zeltplatz mal einen Kaffee trinken zu können. Kommt das Ding denn wieder heil zurück? Lohnt sich der ganze Aufwand? Ist er, tut es!

Insgesamt fälle ich ein sehr positives Resümee. Den schweren Filter durch halb Frankreich zu kutschieren hat mich zwar hier und da sehr kauzig erscheinen lassen, aber insgesamt war es das mehr als wert. Der Kaffee war auf dem Campingplatz köstlich, kräftig und das bisschen Genuss darf man sich ja mal gönnen.

Meinen Kaffee aus einer franzözischen Kaffeerösterei (torréfacteur) habe ich im Übrigen in Bordeaux schlussendlich auch noch bekommen.