In einem kleinen Ökoladen in Neckargemünd bin ich über eine Kaffeepackung gestolpert, deren Logo aussah, als hätte sich ein PC-Erstnutzer an Paint ausgetobt. Irgendwie hat mich das neugierig gemacht und mit dem Kaffee in der Tasche ging es dann auf direktem Weg nach Hause. Dort angekommen, habe ich mir die Rösterei, deren Konzept und natürlich die Bohnen selbst genauer angesehen. Der sogenannte Heidelberger Partnerschaftskaffee, so habe ich gelernt, macht vieles anders, als man es von anderen Kaffeeröstereien kennt und scheint den Gedanken des fairen Handels bis ins Letzte zu leben.

In der Folge habe ich mich mit Verantwortlichen in Verbindung gesetzt und möchte in diesem Beitrag über ehrenamtliches Engagement in der Kaffeebranche schreiben, über kleines Geld und große Ziele.

Kaffeekrise 2000 als Auslöser

Aufgrund von (zu) hohen Produktionszahlen im asiatischen Raum kam es ab dem Jahr 2000 zu einem Preisverfall von Kaffee am Weltmarkt. Insbesondere Kleinbauern wurden davon getroffen, weswegen das schon im Kooperativen-Aufbau tätige Nicaragua-Forum handelte und gemeinsam mit lokalem Handel in Heidelberg den Heidelberger Partnerschaftskaffee gründete. Dieser sollte die Kaffeebauern durch direkten Handel mehr an Erträgen beteiligen und sie mit gezielten Projektförderungen nicht nur finanziell solider aufstellen. Heute beteiligen sich 66 lokale Geschäfte im Umkreis Heidelbergs am Vertrieb der Kaffeebohnen.

Kaffeepreis im Vergleich zu Fair Trade

Preiszusammensetzung im Vergleich zu Massen- und Fairtrade-Kaffee (Quelle: Heidelberger Partnerschaftskaffee)

Auf eigene Beine stellen

Eine Sache die mir beim Fair Trade Siegel gar nicht gefiel und die das Konzept des Heidelberger Partnerschaftskaffees ganz anders sieht, ist die Zielrichtung der Vermarktung: Der Partnerschaftskaffee, als gemeinnütziger Verein anerkannt, agiert nicht aus Gewinninteresse sondern aus der Sicht eines Entwicklungshelfers. Aus dem Zulieferer wird ein Partner, dem es in bestimmten Bereichen noch unter die Arme zu greifen gilt. 

Im Augenmerk liegen insbesondere Partizipation, Transparenz und eben der FAIRE Umgang innerhalb der Kooperative wie nach außen, doch auch handfeste Projekte und Verbesserungen in Lebensstandard und Bildung werden gefördert.

Dass dies nicht nur leere Floskeln sind und mit welchem Einsatz die Bohnen ins Regal gebracht werden, kann auf der Internetseite des Heidelberger Partnerschaftskaffees nachgelesen werden, wo man dann auch erfährt, dass nicht nur Plantagenbesitzer profitieren und welche Rolle politische Wahlplakate bei der Vermarktung des Kaffees spielen.

Durch den Kauf eines Kaffees wird ein festgeschriebener Betrag zur Finanzierung eines Förderprojektes genutzt. In einem jährlichen Tätigkeitsbericht kann verfolgt werden, welche Beträge zusammengekommen sind und was mit dem Geld gemacht wurde. 

Für das Jahr 2016 sieht das beispielsweise wie folgt aus:

Projektförderungen im Jahr 2016

Fördersummen des Heidelberger Partnerschaftskaffees in die entsprechenden Kooperativen (Quelle: Heidelberger Partnerschaftskaffee).

Mehrwert durch direkten und fairen Handel

Ich habe im Beitrag Fairtrade Kaffee ja schon dargelegt, was ich an Fairtrade Kaffee als problematisch erachte und habe bis heute viele Mails zu diesem Thema erhalten. In der Folge sind viele interessante Konversationen entstanden und ich sehe mich auch heute noch in meiner Meinung durch alle angesprochenen Röster bestärkt. 

Während ich Fairtrade Kaffee also tunlichst zu vermeiden versuche, bin ich ein großer Freund von direkt oder fair gehandeltem Kaffee geworden. CoffeeCircle hat sich ja in diesem Bereich bereits einen Namen gemacht und auch der Heidelberger Partnerschaftskaffee setzt sich für ein faires Von- und Miteinanderleben ein.

Dass es bei diesem Einsatz um weit mehr als nur ein wohliges Gefühl beim Einkaufen und ein angenehmes Klingeln in der Konzernkasse geht ist klar. Die Heidelberger investieren nach meinem Verständnis langfristiger und fairer in die Anbaugebiete und sehen die Erzeuger nicht bloß als Geschäftspartner. Welcher Mehrwert durch eine solch enge und persönliche Kooperation entstehen kann, wird durch die Übersicht der Projekte und ihrer Förderung ersichtlich.

Fair gehandelter Kaffee im Test

Fair gehandelt und lecker im Geschmack: Der Organico aus Jinotega (Nicaragua).

Der Organico entstammt der Soppexcca-Kooperative im bergigen Zentral-Nicaragua, genauer gesagt aus der Region Jinotega. Die Bohnen sind strictly high grown (SHG) und biozertifiziert. Bei der Verkostung mit Handfilter und French Press ist mir besonders der wuchtige, anregende Kaffeegeruch in Erinnerung geblieben, sowie die feinen Zitrusnoten.

Insgesamt war der Heidelberger Partnerschaftskaffee für mich eine der Entdeckungen im Jahr 2016, womit ich - quasi vor der eigenen Haustür - nicht gerechnet hätte. Hinter dem leckeren Kaffee steckt ein gemeinnütziges Konzept, das selbst vor neugierigen Bloggern nicht Halt macht.

In diesem Sinne bedanke ich mich auch bei Rudi Kurz für den netten Kontakt und den Kaffee zur Entdeckung und Verkostung.