Eine AeroPress ist irgendwie wie ein Traktor: Sehr nützlich, aber auch wirklich, wirklich hässlich. Da es aber nicht bei allem im Leben um perfekte Optik geht und sich in phantastischer Art mit der AeroPress Kaffee zubereiten lässt, ist der kleine Helfer in aller Munde. In diesem Testbericht stelle ich die AeroPress vor, gebe Tipps, z.B. welcher Mahlgrad für AeroPress-Kaffee ideal ist und vergleiche sie mit French Press und Handfilter.


Das findest du in diesem Beitrag:


Seit nunmehr fast einem Jahr nutze ich die AeroPress auf regelmäßiger Basis, zumeist an 2-3 Tagen die Woche. Schlagkräftigstes Argument für den Griff zur neuen Presse ist neben dem exzellenten Kaffee vor allem die hohe Robustheit – ich nutze die AeroPress nämlich nicht nur am heimischen Schreibtisch sondern oftmals als praktische Kaffeequelle im Büro oder auf Reisen. Aber zugegeben: Ich habe einige befremdliche Blicke auf mich und meine Gerätschaften niedergehen lassen müssen, heute möchte ich die AeroPress aber nicht mehr missen. Warum? Darum:

What's in the box?

Aeropress kaufen: Das ist alles dabei

Lieferumfang der Aerobie AeroPress: Das Kaffeelot fiel meinem Neffen zum Opfer!

Brühkolben // Presszylinder // Rührstäbchen // Kaffeelot // Trichter // Filterhalter // 350 Papierfilter.

Damit ist man sofort gut gerüstet und kann ziemlich lange Kaffee zubereiten. Einen neuen Satz Filter (wieder 350 Stk.) gibt's für rund 7 Euro.

Vorteile und Nachteile: Was ist gut, was ist schlecht?

Pro

  • Mit nicht einmal 30 Euro ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Sehr ausgewogener Kaffee mit wenig Bitterstoffen
  • Leicht und schnell zu reinigen
  • Weniger Kaffeesatz in der Tasse als bei der French Press
  • Gleichmäßiger Kontakt von Wasser und Kaffee, gepaart mit der schnellen Filterung, liefert sie sehr ansprechende Ergebnisse
  • Komplett aus Kunststoff und daher auch sehr robust, was sich für Urlaube und natürlich den Weg ins Büro eignet
  • Mittlerweile auch wiederverwendbare Metallfilter erhältlich

Contra

  • Mein Gott ist die AP hässlich! Im Vergleich zur French Press, der Bodum Columbia oder der Chemex ist die AeroPress wirklich keine Augenweide
  • Für große Runden wird das auch nichts mit der AeroPress, da sie immer nur für 1 Tasse reicht. Da sie aus Kunststoff besteht wäre ich zudem skeptisch, ob man mehrere Kaffees hintereinander zubereiten sollte (Stichwort Weichmacher)
  • Man müsste ein Leben lang die Filter kaufen, Ausweg: wiederverwendbarer Metallfilter
  • Man zieht irritierte Blicke auf sich

Verarbeitung & Preis-Leistung

Mit einem Preis ab 25 Euro bei Amazon* zählt die AeroPress zu den günstigeren Gerätschaften und reiht sich ungefähr in die Kategorie von Filteraufsatz und French Press ein. In Bezug auf das Preis-Leistungsverhältnis ist das auch okay, da man alles für den Start erhält und erst nach dem Verbrauch von hunderten Filterpapierchen nachbestellen muss. Durch den simplen Aufbau und eine gute Verarbeitung der wenigen Bestandteile ist die AeroPress äußerst robust und kann auch bei Reisen und Camping-Touren mitgenommen werden.

Die Verarbeitung der Bestandteile ist meines Erachtens nach sehr gut. Die AeroPress fühlt sich auch trotz der Kunststoffbauweise sehr wertig an, nicht zu schwer, nicht zu leicht. Zusätzlich habe ich auch nach Monaten der Benutzung keine Abnutzungserscheinungen feststellen können.

Hinsichtlich der Kaffeegüte muss sich die AeroPress nicht hinter anderen Zuebereitungs-Möglichkeiten verstecken und liefert äußerst ansprechenden Kaffee. Auf diese zwei Weisen kannst du AeroPress-Kaffee zubereiten:

Zubereitung // Anleitung: 2 Methoden im Vergleich

AeroPress Test: Inverted & Vacuum Anleitung

2 Zubereitungen im Test: Inverted und Vacuum. Mein Favorit? Minimale Tendenzen zu Inverted.

Die 2 am meisten verbreiteten Zubereitungsarten sind inverted und vacuum. So geht's:

Methode 1: Vacuum / normal

Vorbereitung:

 Bringe 200-220 ml Wasser zum Kochen 
 Mahle die Kaffeebohnen. Infos zum Mahlgrad findest du direkt im Anschluss an die Rezepte
 Spühle den Papierfilter der AeroPress unter laufendem Wasser aus

Anleitung:

Schritt 1: Schraube Sieb & Filter auf die AeroPress.
Schritt 2: Stelle den AeroPress-Brühzylinder so auf die Tasse, dass die Messzahl 1 unten ist.
Schritt 3: Gib den gemahlenen Kaffee hinein, benetze ihn mit Wasser.
Schritt 4: Warte 30 Sekunden, gieße anschließend Wasser bis zur gewünschten Menge auf.
Schritt 5: Stecke den Kolben leicht in den Zylinder, ohne ihn herunterzudrücken. 

Durch den entstehenden Unterdruck in der Vacuum-Methode läuft das Wasser sehr langsam durch das Mahlgut. Der richtige Mahlgrad ist hierbei aber eminent wichtig.

Methode 2: Inverted

AeroPress Inverted Methode: Anleitung & Tipps

20-30 Sekunden Kolben herunterdrücken. Kurz bevor Luft austritt aufhören.

Vorbereitung

 Bringe 200-220 ml Wasser zum Kochen 
 Mahle die Kaffeebohnen. Infos zum Mahlgrad findest du direkt im Anschluss an die Rezepte
 Spühle den Papierfilter der AeroPress unter laufendem Wasser aus

Anleitung:

Schritt 1: Stecke den Kolben einen Fingerbreit in den Zylinder der AeroPress
Schritt 2: Drehe die Apparatur nun um, sodass die Messzahl 1 oben ist.
Schritt 3: Gib den Kaffee hinein, benetze ihn mit Wasser.
Schritt 4: Warte 30 Sekunden, gieße anschließend das restliche Wasser auf. Sieb + Filter aufsetzen, umrühren, 60 Sekunden warten.
Schritt 5: Jetzt wird es knifflig: AeroPress mit beiden Händen packen und umgedreht auf die Tasse setzen.
Schritt 6: Langsam den Kolben herunterdrücken. 20 - 30 Sekunden sollte man hierfür brauchen.

Falls gewünscht kann Wasser hinzugegeben werden. Ich mache das auch ab und zu ganz gerne, da AeroPress Kaffee ein recht starkes Konzentrat ist.

Welcher Mahlgrad ist für die AeroPress ideal?

Aeropress: Test und Anleitung zum Mahlgrad

Zu grob gemahlen. Das wäre eher etwas für den Hario V60.

Aeropress Kaffee mahlen: Gröber als Espresso

Zu feiner Kaffee. So wird's im Test schwer, den Kolben runterzudrücken.

Idealerweise schmeißt man Kaffee mit einem relativ feinen Mahlgrad in die AeroPress. Als ungefähre Richtung kann man sagen, dass das Kaffeemehl etwas feiner sein sollte als Filterkaffee, aber lange nicht so fein wie für Espresso. Wie du siehst gibt es kein Patentrezept für den perfekten AeroPress Mahlgrad – auch weil jeder Kaffee anders ist. So sollte man für sehr säurehaltige Kaffeebohnen einen gröberen Mahlgrad wählen und dafür die Kaffeemenge etwas erhöhen.

Wie genau du deinen Kaffee mahlst, solltest du selbst herausfinden, da du so ganz individuell auf deine Präferenzen und die Eigenheiten des Kaffees eingehen kannst.

In kurz: feiner als Filterkaffee, gröber als Espresso. Ungefähr wie Tafelsalz.

Warum bekommt man mit der AeroPress so guten Kaffee?

Aerobie Aeropress Test: Anleitung, Rezepte & Vergleich

Der Clou bei dieser Kaffeezubereitung liegt in ihrem Mix: Die AeroPress übernimmt nämlich die besten Eigenschaften von French Press, Handfilter und Siebträger und kombiniert sie in einem simplen Gerät. Von der French Press hat man sich den direkten Kontakt von Wasser und Kaffeemehl abgeguckt, der Kaffee mit viel Körper und Wumms hervorbringt. Damit dieser aber möglichst viele Aromen, wenige Bitterstoffe und dadurch viel Finesse innehat, wurde die verkürzte Extraktion unter Druck eingebracht, die insbesondere bei Siebträgern angewandt wird. Statt 4 Minuten wie bei der French Press, zieht der AeroPress Kaffee nur 1 Minute, bevor er durch das Filterpapier in die Tasse wandert. Dieses hält wie beim Handfilter gröbere und feinere Schwebstoffe zurück und liefert so einen ausgewogenen und bitterstoffarmen Kaffee.

AeroPress vs. French Press

Aeropress vs. French Press Kaffee

Ähnlicher Preis, unterschiedliches Ergebnis, aber beides Klassiker.

Im Vergleich zur French Press ist AeroPress Kaffee ausgewogener. Er hat einen nicht ganz so vollen Körper, weniger Bitterstoffe und ist weniger intensiv hinsichtlich der Säure. Dafür kommen die Aromen besser durch. Wenn du deinen Kaffee lieber säurearm trinkst, ist die AeroPress der French Press vorzuziehen. Pluspunkt AeroPress: Durch die vielen Parameter kann man bei der Zubereitung quasi endlos experimentieren.

AeroPress vs. Handfilter

Aeropress Kaffee vs. Handfilter Hario V60

AeroPress und Hario V60 Handfilter liefern beide fantastischen Kaffee!

Ein Handfilter wie beispielsweise der Hario V60 mag zwar bieder aussehen, doch er zaubert herrlichen Filterkaffee in die Tasse. Im Vergleich zum Handfilter liefert die AeroPress Kaffee mit mehr Körper, dessen Aromen allerdings weniger stark durchkommen. Beide Zubereitungsarten teilen sich aber die Vorteile, die durch die Filterpapiere entstehen, insbesondere das Zurückhalten der Schwebstoffe.

4 Fragen und Antworten zum AeroPress Kaffee

 Wie extrahiert der Kaffee?

Dadurch, dass das Kaffeemehl innerhalb des Brühzylinders mit der gesamten Wassermenge in Kontakt ist, kann das Mahlgut gleichmäßig extrahieren. Durch die, im Vergleich zur French Press verkürzte Brühzeit, werden im AeroPress-Kaffee weniger Bitterstoffe gelöst, wodurch der Kaffee aromatischer wirkt.

 Warum muss man den Kaffee 30s ziehen lassen?

Nachdem du das Kaffeemehl in die AeroPress gegeben hast, sollst du es ja mit ein wenig Wasser vermengen und 30 Sekunden abwarten. Der in dieser Zeit ablaufende Vorgang wird Blooming genannt und beschreibt das Aufquellen des Kaffees und die Freisetzung von im Mahlgut eingeschlossenen Gasen. Das kannst du auch mit bloßem Auge erkennen: Das feuchte Mahlgut quillt auf, schlägt Blasen und „blubbert“. Der Blooming-Prozess ist auch und vor allem für die AeroPress wichtig, da du a) immer die gleichen Voraussetzungen und möglichst homogenes Mahlgut haben möchtest, damit du b) unendlich mit der AeroPress experimentieren und Veränderungen am Geschmack feststellen kannst.

 Wie war das nochmal mit Wasser- und Kaffeemenge?

Für einen Becher Kaffee (220 ml) sollte man rund 17 Gramm Kaffeemehl verwenden. Das entspricht ungefähr der Menge, die in das mitgelieferte Lot passt. Wenn dir der Kaffee auf diese Weise zu stark ist, reduziere um ein paar Gramm Mahlgut oder wähle einen leicht gröberen Mahlgrad. Manche Leute gießen auch noch weiteres Wasser in die Tasse, um den Kaffee so zu verdünnen.

 Wie war das nochmal mit dem Mahlgrad?

Nochmal kurz und bündig: mittel bis fein. Ungefähr wie Zuckerkörnchen. Je feiner du den Kaffee mahlst, desto penibler solltest du aber auf die Brühzeit (1:30 Minuten) achten, um nicht zu viele Bitterstoffe zu lösen.

Frisbee-Kaffee auf Reisen

Der Hersteller der AeroPress, die Firma Aerobie aus Kalifornien, ist eigentlich gar nicht in der Kaffee-Welt beheimatet, sondern ein Hersteller von Frisbees-Scheiben. Der Firmeninhabener Alan Adler hat als Liebhaber guter Kaffees jahrelang an einer neuen Methode der Kaffee-Zubereitung gebastelt, bis er schlussendlich auf die AeroPress kam.

Ich habe ja einen gewissen Hang zum reduziertem Reisen, wie ich es im Beitrag zum Thema Camping dargestellt habe. Zum Zeitpunkt der damaligen Fahrradreise hatte ich leider noch keine AeroPress und musste mich mit Filterkaffee begnügen. Das war nicht schlechter, doch ist ein Porzellanfilter nicht gerade ideal für Outdoor-Touren. Anders die AeroPress: Durch das Kunststoffgehäuse und die kernig-robuste Bauweise geht nichts zu Bruch, sie ist im Handumdrehen wieder sauber und schwer ist sie auch nicht. Zusammen mit der Hario Mini Mill ist sie seither mein Dreamteam für Reisekaffee 🙂

Nur für eine Tasse – bestenfalls 2

Einen wirklichen Nachteil hat die AeroPress: Kaffee für mehr als eine Person ist kaum drin – und das im wahrsten Sinne des Wortes! 1-2 Tassen oder einen guten Becher kann man aus der AeroPress quetschen, zudem: Die produzierte Kaffeemenge ist nicht unendlich skalierbar. Während man bei French Press, Chemex und Handfilter für größeren Runden zur Not einfach 2,3 Mal Kaffee aufsetzt, sollte man sich das bei der AeroPress gut überlegen. Durch die hohe Wassertemperatur wird der Kunsstoff stark strapaziert, wodurch sich üblicherweise Weichmacher lösen. 

Aus diesem Grund bereite ich nie mehr als 2 Kaffees direkt hintereinander zu.

Fazit: Für wen lohnt sich die AeroPress?

Die Kaffee-Quetsche aus den USA lohnt sich für alle, die gerne mit Kaffee experimentieren. Durch die Veränderung von Mahlgrad, Wassermenge und Extraktionszeit stehen einem quasi unendlich viele Möglichkeiten zur Verfügung am Geschmack zu drehen. Im Vergleich zu French Press und Handfilter finde ich die Fülle an verstellbaren Zahnrädchen spannender, wobei die sehr geringe Füllmenge eher einschränkend ist.

Für mich ist die AeroPress der Alleskönner für jede Situation.

AeroPress
  • Preis-Leistung - 10/10

    10/10

  • Verarbeitung - 8/10

    8/10

  • Geschmack - 10/10

    10/10

  • Für den täglichen Gebrauch geeignet - 8/10

    8/10

Kurzfassung

Der AeroPress Kaffeebereiter ist ein Must-have für alle anspruchsvollen Reisenden, Urlauber und natürlich alle Enthusiasten.
In der Handhabung kann die Kaffee-Quetsche manchmal etwas knifflig sein, insbesondere die Inverted-Methode und der Mahlgrad erfordern eins, zwei Anläufe, bis alles passt.
Der resultierende Kaffee hat es allerdings in sich und ist neben Handfilter und French Press eine wahre Bereicherung.

9.0/10
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